Hoffnung nach schwerer Krankheit

Der Europa-Park unterstützt die Klinik Tannheim

Die Diagnose ist ein Schock, die Behandlung eine große Belastung für die ganze Familie. Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, dann braucht es sehr viel Fürsorge. Mehrere Chemotherapien, monatelange Klinikaufenthalte, das zehrt an allen Kräften. Aber nicht nur der Patient, sondern die ganze Familie benötigt Hilfe. 1984 begann Diplom-Pädagoge Roland Wehrle eine familienorientierte Nachsorge zu fordern. „Es war im Grunde nur möglich, weil es sich um krebskranke Kinder handelte und weil wir Klausjürgen Wussow und Christiane Herzog hinter uns hatten“, erinnert sich Wehrle. Damals hatte er über seine Arbeit den sechsjährigen Björn kennengelernt, der schwer an Krebs erkrankt und trotzdem voller Hoffnung war.

 

Zur Einschulung zeichnete sich Björn selbst in einem Sarg mit lauter Herzen drum herum, gut ein Jahr später starb der Junge. Dieses Schicksal hat den vierfachen Familienvater Wehrle sehr berührt. Man könne, so Wehrle, von den kranken Kindern viel lernen: Sie haben trotz allem sehr viel Mut und Lebensfreude, jammern kaum und sind große Hoffnungsträger. So keimte in Wehrle die Idee, betroffene Familien zu unterstützen.
1990 wurde die Krebsnachsorge-Stiftung mit dem Ziel gegründet, die familienorientierte Nachsorge zu etablieren und eine neue Klinik zu bauen für krebs-, herz- und mukoviszidose-kranke Kinder sowie deren Familien. 1.800 Kinder erkranken jährlich an Krebs, 7.000 Kinder kommen jedes Jahr mit einem Herz- fehler zur Welt und mehr als 8.000 Kinder leiden derzeit deutschlandweit an Mukoviszidose, einer vererbten Stoffwechselkrankheit, die den Betroffenen schleichend die Luft zum Atmen nimmt.

„Es ist der einzigartigen Solidarität der Bürger zu verdanken, dass wir dieses Projekt verwirklichen konnten. Wir brauchten 26 Millionen Euro und die Hälfte davon haben Bürger aus Baden-Württemberg gespendet, viele Menschen haben dieses Haus gebaut“, berichtet Wehrle. Der Weg bis zur Grundsteinlegung war dennoch weit und steinig. Tannheim bot das Grundstück kostenfrei an, drei Millionen Spenden waren bereits auf dem Konto, es reichte aber nicht.
Jahrelanges, unermüdliches Spendensammeln folgte, bevor die Banken die Kredite bewilligten. „Immer wenn ich dachte, wir schaffen es nicht, habe ich mir das Bild von Björn angesehen und wieder Mut gefasst“, sagt Wehrle.
Als die Klinik im November 1997 eingeweiht wur- de, waren alle Beteiligten überglücklich. Über 8.000 Patienten und Familienangehörige konnten seither behandelt werden. Bis zu 180 Personen bleiben gleichzeitig einen Monat lang im sonnigen Tannheim bei Villingen-Schwenningen, um hier nach einer schwierigen Phase wieder Zuversicht zu schöpfen.

Kleine „Experten“ für Beatmungsgeräte treffen hier auf Kinder mit Herzschrittmachern oder sol- che, die gegen ihre Leukämie kämpfen. Sie zeigen sich gegenseitig ihre Operationsnarben und sehen: Sie sind nicht alleine. „Manchmal springen sie mit ihrem Infusionsschlauch durch die Gegend, da wird es einem ganz anders“, lacht Wehrle.

Mehrere Gebäude, Therapie- und Fitnessräume, Farbe, Licht und Natur bilden den äußeren Rahmen. 150 Mitarbeiter sorgen in einem interdisziplinären Team, bestehend aus Fachtherapeuten und Ärzten für medizinische Betreuung und Erholung, so dass die Familien den Alltag zu Hause wieder meistern. Neben Reit- und Physiotherapie, Meditation, einem speziellen Snoozle-Raum, in dem alle Sinne gleichzeitig angeregt werden, gibt es auch viel Zeit für Gespräche mit Diplompsychologen. „Das ist enorm wichtig, denn oft haben diese Familien ein großes Bedürfnis, sich auszutauschen oder über ihre schwierige Lage zu sprechen“, weiß Wehrle, der die Klinik nun schon seit 15 Jahren leitet.

Der Europa-Park hat die Klinik von Anfang an unterstützt. Als Wehrle den Inhaber Roland Mack ansprach und um Hilfe bat, stieß er gleich auf offene Ohren.
„Alle unsere Reha-Teilnehmer dürfen umsonst nach Rust fahren und kommen mit strahlenden Gesichtern zurück. Ihnen wird so eine sensationelle Freude bereitet“, erzählt Wehrle. Er freut sich auch immer über den Besuch von Prominenten, weil deren Solidarität die Kinder aufbaut. Sie fühlen sich dann ernst genommen und wichtig. Roland Mack brachte Miss Germany Doris Schmidts mit in die Klinik und überreichte zudem einen Scheck. Regelmäßig sammelt der Europa-Park hohe Beträge für die Klinik Tannheim.

 

Seit drei Jahren gibt es auch das „Haus der Hoffnung“, eine Reha für verwaiste Eltern. „Die Anfrage übersteigt unsere Möglichkeiten. Diese Einrichtung ist in Deutschland einzigartig“, stellt Wehrle fest. 600.000 Euro Spenden benötigt die Nachsorgeklinik jährlich, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Das ist kein Pappenstiel und erfordert das ungebremste Engagement aller Beteiligten. „Ich bin sehr dankbar für jede Hilfe. Für die Zukunft wünsche ich mir etwas mehr Sicherheit, mehr Verständnis bei den Kostenträgern und der Politik, damit wir nicht zu sehr auf Spenden angewiesen sind“, gesteht Wehrle. Wenn er einen Wunsch frei hätte? Weitere Freunde und Förderer wie die Familie Mack, die sein Projekt tatkräftig unterstützen.

Ute Bauermeister

Quelle: YouTube