Zu Besuch bei Georg Thoma

Das Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten dokumentiert die Alltagsgeschichte des Skilaufs

Es ist der Abend des 22. Februar 1960. In Hinterzarten warten die Bürger gespannt am Radio auf Nachrichten aus dem amerikanischen Squaw Valley, wo die Olympischen Winterspiele stattfinden. Da spricht sie der Reporter direkt an: „So, ihr lieben Hinterzartener, jetzt setzt euch erst mal ...“ Jener Tag hat das Leben eines schüchternen Postboten aus Hinterzarten komplett verändert: Als völlig unerwarteter Olympiasieger in der Nordischen Kombination wird Georg Thoma zur Legende. Vom Siegen konnte er auch danach so wenig lassen, dass ihn der norwegische König bei einer Siegerehrung einmal lächelnd mit den Worten begrüßte: „Sie schon wieder!“

Der ideale Ort, um sich heute auf Thomas Spur zu begeben, ist das Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten. Dort ist ihm ein eigener Raum gewidmet, in dem die Original-Ski und die Goldmedaille von Squaw Valley ausgestellt sind. Thoma hatte die Idee zu diesem Museum rund 60 Kilometer vom Europa-Park entfernt. Es widmet sich auch der Alltagsgeschiche des Skilaufs – und dazu hat der Schwarzwald allerhand beigetragen: Bereits 1891 wurde der Skiclub Todtnau gegründet – Deutschlands ältester Skiclub. 1908 eröffnete in Schollach der erste Skilift der Welt. Als Bub musste Georg Thoma täglich viele Kilometer zur Stallarbeit zu einem Aussiedlerhof laufen – im Winter auf Skiern. „Das war wohl eine Grundlage für meine Leistungen“, sagte er einmal. Auch aufgrund seines stets bescheidenen Auftretens ist Thoma bis heute sehr beliebt – dem Europa-Park und der Familie Mack ist er freundschaftlich verbunden.

Christoph Ertz

Info
Das Skimuseum in Hinterzarten ist zu finden in der Erlenbrucker Straße 35.
www.schwarzwaelderskimuseum.de

Foto oben: dpa Picture Alliance