Hautnah über Europa fliegen

Neuheit "Voletarium"

Abheben im „Voletarium“ / Neue einzigartige Attraktion / Größtes „Flying Theater“ Europas startet im Juni / Höchste Investition in ein Einzelprojekt / Mastermind Michael Mack / Abenteuerliche Drehs wie bei James Bond / Geschichte der Flugpioniere umgeschrieben

Die berühmte Silhouette taucht aus dem Dunst der Lagune auf. Erst schemenhaft, dann immer deutlicher schälen sich beim Hubschrauber-Anflug der hoch in den Himmel ragende Campanile und der Dogenpalast heraus. Venedig, der jahrhundertealte Sehnsuchtsort vieler Reisender, wird im Tiefflug zur Filmkulisse – für das „Voletarium“. So lautet der Name einer neuen Attraktion des Europa-Park: des größten „Flying Theater“ Europas. Die bis dato höchste Park-Investiton in ein Einzelprojekt lässt die Besucher über Europa schweben und zudem eintauchen in eine fiktive Geschichte, die die Erfindung des Fliegens ganz neu erzählt.

In einem atemberaubenden Film reisen die Passagiere hautnah und spektakulär unter anderem zu europäischen Naturschönheiten. Beispielsweise die Inselgruppe der Kornaten in Kroatien wird überflogen. Über sie schrieb der irische Schriftsteller George Bernard Shaw: „Am letzten Schöpfungstag wollte Gott sein Werk krönen, und so schuf er aus Tränen, Sternen und Atem die Kornaten.“ Weiter fliegen die Gäste ganz nah an Felswänden entlang durch einen isländischen Canyon, zum Matterhorn und über den Aletsch-Gletscher sowie zu den Drei Zinnen in den Dolomiten hinauf sowie im Sturzflug einen Abhang hinab auf den norwegischen Lysefjord zu. Außerdem gelangen sie zu Kulturstätten wie Schloss Neuschwanstein und zu Metropolen wie Paris – und eben nach Venedig. In der Lagunenstadt gleitet der Blick über Kanäle, Brücken und Kuppeln.

„Wir kamen von der Insel Lido di Venezia in der Lagune, drehten im Canal Grande und flogen etwa 50 Meter vor dem Markusplatz entlang“, erinnert sich Filmemacher Holger Tappe, der den Film im Auftrag von MackMedia als Regisseur gedreht hat. In einem Zeitraum von mehr als einem Jahr war das Drehteam zu rund einem Dutzend Orten in mehreren Ländern unterwegs. Mit dem Dreh in Venedig bewegte sich die Crew endgültig auf den Spuren großer internationaler Filmproduktionen. „Darauf kann der Europa-Park wirklich stolz sein“, sagt Tappe. „Eine solche Drehgenehmigung gibt es sicher nicht für jeden.“ Zuletzt durfte in der Lagunenstadt vor mehr als zehn Jahren ein Filmteam per Helikopter den Markusplatz und den Canal Grande ins Visier nehmen – für „Casino Royale“, den ersten James-Bond-Film mit Hauptdarsteller Daniel Craig.

Michael Mack (links) und Holger Tappe bei einem Hubschauber-Dreh.

„Dimensionen à la Hollywood“
Mastermind Michael Mack

Für die Drehs waren Spezialkameras an Hubschrauber und eine eigens für das Projekt entwickelte Drohne geschnallt. Sie lieferten eine Bildauflösung von bis zu 8K, 18 Mal so hoch wie Full-HD. „Wir haben zeitweilig sogar mit zwei dieser 8K-Kameras gleichzeitig gedreht“, erklärt Tappe. „Die finalen Bilder wurden dann aus den beiden Einzelaufnahmen zusammengerechnet. Die Konstruktion für diese Aufnahmetechnik ist von uns ausgetüftelt worden und dürfte einmalig sein.“ Manche Sequenzen, wie der Flug über Paris, für den die französischen Behörden keine Genehmigung erteilten, wurden digital am Computer erzeugt. Gewaltige Rechnerkapazitäten waren nötig, um die nicht minder gewaltigen Datenvolumen in den Film zu bannen: „Wir haben Paris so echt nachgestellt, dass ein Computer für ein einziges Bild 14 Tage rechnen musste“, beschreibt Tappe, Gründer und Geschäftsführer der Filmproduktionsgesellschaft Ambient Entertainment in Hannover, die mit dem Europa-Park auch schon beim 4D-Animationsfilm „Happy Family“ zusammengearbeitet hat. „Und wir haben 48 Bilder in der Sekunde!“ Rund 600 Rechner vom Park und von Ambient trugen daher ihren stoischen Teil zu dem neuen Erlebnis bei.

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Doch nicht allein die Firmproduktion erreichte Dimensionen à la Hollywood – das gesamte Projekt bewegte sich über mehrere Jahre auf ungeheuren Routen. „Rund 1.000 Menschen aus etlichen Ländern haben am Ende an der Attraktion mitgearbeitet“, berichtet Michael Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Park und Gründer von MackMedia. Er ist der Mastermind und kreative Kopf hinter der neuen Park-Attraktion – und er war ebenfalls über Jahre intensiv mit der Realisierung beschäftigt. „Richtig konkret wurde es damit 2014 nach der Eröffnung von „Arthur“, als ich mit meinem Team die nächsten Projekte besprochen habe“, erklärt er. „Wir planen Attraktionen stets auch unter dem Gesichtspunkt der Besucher-Ströme und da war es uns wichtig, der Deutschen Straße tagsüber neues Leben einzuhauchen.“ Dort, am Haupteingang des Europa-Park, ist das „Voletarium“ seit den Wintermonaten gebaut worden. In zwei, jeweils 16 Meter hohen und kuppelartigen Theatersälen können sich in der Stunde bis zu 1.400 Fluggäste zur Filmreise durch Europa in gondelartigen Flugkörpern anschnallen. Michael Mack hat dafür auch eine kleine Weltreise hinter sich gebracht. Unter anderem in den USA, Taiwan, Abu Dhabi und China hat er vergleichbare Attraktionen inspiziert und die passenden Hersteller für ein möglichst realitätsnahes Fluggefühl aufgespürt. Vor ihrem Flug gelangen die Passagiere auf drei Etagen zu den Gondeln. Sie sitzen somit übereinander.

„Die Besucher werden nicht einfach so auf die Reise geschickt, sie sind vielmehr Teil der Geschichte der Brüder Eulenstein“
Chris Lange

Zum Start werden die Gondeln um fünf Meter nach vorne befördert, so dass die Gäste atsächlich das Gefühl bekommen, in der Luft zu sein. Nachdem sich ein Vorhang geöffnet hat, spannt sich vor ihnen jeweils eine Riesenleinwand mit einem Durchmesser von 21 Metern wie zu einer Umarmung entgegen. Die Leinwände des „Flying Theater“ sind nämlich gekrümmt – dies verstärkt die Bildwirkung und lässt den Zuschauer förmlich ins Geschehen eintauchen, eben so, als fliege er tatsächlich über oder durch das Gezeigte.

Die Technik dahinter stammt wesentlich aus Taiwan, Österreich und China, aber der Europa-Park wäre nicht der Europa-Park, würde er die Einflüsse von außen nicht zu einem eigenständigen, einzigartigen Konzept verweben. Die Besucher werden nicht einfach so auf die Reise geschickt, sie sind vielmehr Teil der Geschichte der Brüder Eulenstein. Chris Lange, Leiter der Abteilung Mack Solutions, hat sie mit seinen Mitarbeitern ausgearbeitet. „Die Idee kam mir auf einer Zugfahrt von Offenburg zu meiner Heimatstadt Berlin“, sagt er. Jahrzehnte vor den Gebrüdern Wright sollen Eckbert und Kaspar Eulenstein (Karlsruhe) bereits 1825 einen Erstflug mit einem Flugapperat unternommen haben – und zwar in der Nähe des heutigen Europa-Park. Der Wagenbauer Paul Mack (geboren 1755), der am Beginn der Ahnenreihe der Unternehmerfamilie Mack steht, soll sie gekannt haben. Allerdings verschwanden die Flugpioniere eines Tages spurlos – wie realistisch die Geschichte ist, lässt sich nun innerhalb des „Voletariums“ detailliert erkunden.

Zu ihren Fluggeräten gelangen die Gäste in einem handwerklich äußerst aufwendig gestalteten Gebäude. Chris Lange (mittleres Foto) hat mit seinen Mitarbeitern das dahinter stehende Konzept ausgearbeitet.

Auf dem Weg zu ihren Fluggeräten kommen die Gäste in dem mit Ornamenten, Säulen und Baum-Imitationen von Kunstmalern und Stukkateuren in alter Technik äußerst aufwendig gestalteten Gebäude auch an reichlich „Beweismaterial“ vorbei. „Das ist wie eine Museumstour“, erläutert Lange.

Wie ein wahrer Flugpionier kam sich während der Dreharbeiten mitunter auch Regisseur Tappe vor. „Irgendwann habe ich gar nicht mehr gezählt, wie oft wir im freien Fall unterwegs waren“, schaudert ihm noch immer etwas. „Und in Venedig fielen zwischendurch die Kameras aus, dabei hatten wir nur eine Viertelstunde Dreherlaubnis, da wollte ich fast sterben.“ Für eine der größten Herausforderungen des Projekts brauchte es dagegen einen richtig langen Atem: Allein das Genehmigungsverfahren zu dem erneut für 15 Minuten erlaubten Abschlussdreh in Straßburg am Europa-Parlament beanspruchte etwa acht Monate.

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Europa-Park Inhaber Roland Mack ist beeindruckt vom Flugsimulator: „Das ist besser als jede Achterbahnfahrt!“

Gerade Straßburg bescherte Europa-Park Chef Roland Mack aber einen der emotionalsten Momente in der Entstehungsgeschichte: „Vor 55 Jahren habe ich hier als Schüler einen Preis für das beste Bild zum Thema „Verkehr verbindet Europa“ abgeholt. Heute stehen wir hier und drehen eine gigantische Szene für den einzigartigen Flugsimulator im Europa-Park“, bekannte er als Zuschauer während des Drehs. „Was ist in diesen Jahren alles passiert: Der Europa-Park ist entstanden und der Europarat hat mich zum Sonderbotschafter für Familien ernannt. Als Präsident des Weltverbandes der Freizeitindustrie habe ich hier zusammen mit dem Generalsekretär des Europarates, Thorben Jagland, eine Deklaration gegen Rassismus unterzeichnet.“ Das neue „Flying Theater“ wird sicher auch bei den Besuchern für viele Emotionen sorgen – doch weniger im Sinne eines Nervenkitzels. „Das Voletarium ist geeignet für alle Altersgruppen vom Enkel bis zur Oma“, stimmen die Macher Michael Mack, Holger Tappe und Chris Lange überein. „Es soll die Schönheit Europas zeigen, mit schönen Bildern und einem grandiosen Fluggefühl.“ In diesem Sinne: einchecken, anschnallen, abheben – und allzeit guten Flug.

Facts:

Größtes "Flying Theater" Europas: Höchste Investition in eine Einzelattraktion in der Geschichte des Europa-Park
Indoor: Zwei Theatersäle mit je einem Fahrgeschäft und einer sphärischen Leinwand und 70 Sitzplätze
Material: 260 Tonnen Stahl pro Theater 137 Schaltschränke für Medientechnik und Simulatoren
Kapazität: 1.400 Personen pro Stunde
Special Effects: Wind, Wasser und verschiedene Gerüche
Baufläche: 4.800 Quadratmeter
Leinwandgröße: 425 Quadratmeter
Audio: Iosono Surround System
Regie: Holger Tappe
Musik: Kolja Erdmann
Zutritt: ab vier Jahre und ein Meter Körpergröße, barrierefreier Zugang
Ticketsystem: Zeitticket-System zur Fahrzeitreservierung