Johannes Hüppi

Der Baden-Badener Künstler schafft magische Traumwelten

Der in Baden-Baden geborene Maler Johannes Hüppi schafft magische Traumwelten |  Grosse Einzelausstellung in der Sammlung Hurrle, Durbach

Seit einigen Jahren lebt er wieder in seiner Heimatstadt Baden-Baden. „Ich bin sehr gerne hier, die Kurstadt ist zwar klein, aber doch bekannt und man kann wunderbar Ausflüge machen“, sagt der Maler Johannes Hüppi. In seinem Atelier, einer großen Altbauwohnung in der Lichtentaler Straße, lenkt nichts von seiner Arbeit ab. Die alte Mustertapete taucht den Flur in sanftes Rot, die Räume sind hell und aufgeräumt. Es stehen wenige Bilder am Boden, die meisten Gemälde verkauft er unmittelbar, nachdem er sie gemalt hat. Ein kleines Bild thront auf der Staffelei, die Farben auf einer Palette geballt, die Pinsel ordentlich sortiert, hier ist einer konzentriert und mit Hingabe am Werk. Wenn der Künstler eine Pause einlegt, geht er gerne zum Essen ins Rizzi. „Ich mag diese leicht mondäne Stimmung an der Lichtentaler Allee, die zurückhaltende Eleganz des Mobiliars und die Terrasse mit dem herrlichen Blick ins Grüne und auf die Oos“, schmunzelt er.

 Johannes Hüppi.

Johannes Hüppi gehört zu den wichtigen zeitgenössischen Künstlern, deren Arbeiten in bedeutenden Sammlungen und Museen vertreten sind. Der Sammler Frieder Burda besitzt ebenfalls einige Werke von Hüppi, die auch schon im lichtdurchfluteten Museum Burda zu sehen waren. Die Gemälde von Johannes Hüppi haben eine suggestive Aura, eine intensive Atmosphäre und sie entstehen durch Erlebtes, wie zum Beispiel auch die Kellnerinnen- Serie mit raffiniertem Licht- und Schattenspiel. Mal frontal, mal seitlich, mal nur das Gesicht, mal der Torso mit Tablett oder dem Krug in der Hand wandeln sie dem Gast entgegen, jede für sich ein ganz eigenes Universum. Oft wählt Hüppi ein kleines Format für seine Porträts. „Dann bleibe ich vollständig im Bild, stehe nicht auf und male ohne Abstand“, erläutert Hüppi. Aktuell widmet ihm die Sammlung Hurrle in Durbach (noch bis 15. November) in der Reihe „Profile in der Kunst am Oberrhein“ eine große Einzelausstellung mit seinen figürlich-gegenständlichen Bildern.

Sein Hell-Dunkel-Kontrast erinnert an Rembrandt, Velázquez oder Caravaggio. Auch bei Hüppi geht es um nichts Geringeres als das, was das Leben ausmacht: Liebe und Leidenschaft, die Sehnsucht, eins zu werden mit dem anderen. Frauen sind sein bevorzugtes Motiv: Ob mit Handy am Ohr, Hund auf dem Arm, am Bildschirm oder in der Natur, sinnlich ausgestreckt im satten, grünen Gras – sie sind Mutter, Geliebte und Muse in einem, sagt der Künstler über sein Lieblingsmotiv, das er variiert und dem er treu bleibt. Alter, Herkunft oder Hautfarbe spielen dabei keine Rolle. Man erkennt die Bilder Hüppis sofort an der Malweise: diese unnachahmliche Melancholie und Wehmut, die unglaubliche Aura, die er seinen Bildern verleiht. Magisch zieht er den Betrachter hinein ins Geschehen. Und obwohl der 50-Jährige eine gewisse Distanziertheit pflegt, sind Emotionen doch der Grundstock seiner Gemälde.

 Frauen sind Hüppis bevorzugtes Motiv, so wie sein Gemälde „Kuss“.

Johannes Hüppi ist 1965 in Baden-Baden als Sohn des Künstlers Alfonso Hüppi und der Malerin Brigitta Hüppi-Weber geboren. Sein Großvater, ebenfalls Maler und mit Karl Hubbuch befreundet, hatte ein großes Atelier in der Malerkolonie Karlsruhe-Grötzingen. „Ich wollte das Leben meiner Eltern führen, die beide Künstler waren und daher war es für mich selbstverständlich, dass ich Maler werde“, erinnert er sich. Bei Hüppis zu Hause gingen Dieter Roth, Joseph Beuys und Markus Lüpertz ein und aus. Sein Bruder Thaddäus ist ebenfalls Künstler geworden und bescheinigt, wie viel beide von ihrer Mutter gelernt haben: „Unbestechlichkeit, Leidenschaft, Konzentration, Arbeiten, Organisieren, Beobachten und Zupacken, aber auch Widrigkeiten aushalten und damit leben. All das braucht es für eine wahrhaft kreative Existenz. Durchhalten und Begeisterung für die Sache.“ 

Nach seinem Studium an der Kunstakademie in Düssel- dorf war Johannes Hüppi dort Meisterschüler bei Dieter Krieg. Es folgten Wanderjahre in New York, San Fransis- co, Los Angeles, Florida sowie Arbeitsaufenthalte in Ko- rea, Spanien und Italien. Obwohl Hüppi längst zum illustren Kreis gehypter Künstler zählt, hat er keinerlei Allüren. Er ist neugierig, offen, am Gespräch interessiert und hat klare Meinungen: Künstler nimmt er nur dann ernst, wenn sie von ihrer Kunst leben. Ja, er ist vielleicht doch ein Romantiker, ein romantischer Realist, so wie ihn die Kunsthistoriker gerne beschreiben. Auf jeden Fall ein Träumer. „Ich habe eine grenzenlose Projektionsfähigkeit, das stimmt schon. Jeden Abend erzähle ich meiner Tochter zwei bis drei komplett erfundene Geschichten“, lacht er. „Deutschland ist und bleibt der Ort, wo ich meine Galerien habe und meine Bilder verkaufe. Vor zwei Jahren bin ich daher wieder in meine Heimatstadt Baden-Baden gezogen. Ich kenne hier jeden Stein und liebe die Natur, die Rebhänge, die Allee. Es herrscht hier eine Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühle und gut arbeiten kann. Die Eleganz der Leute, egal ob mit oder ohne Geld, gefällt mir“, meint Hüppi.

Ute Bauermeister

Ausstellungen

Sammlung Hurrle Durbach
23. Juli - 15. November 2015
Johannes Hüppi – in der Reihe „Profile in der Kunst am Oberrhein“ Museum für aktuelle Kunst
- Sammlung Hurrle Durbach
Almstraße 49
77770 Durbach
Telefon 0781 93201402
www.museum-hurrle.de

Museum Gertsch
Brigitta Weber & Johannes Hüppi
Nachtschatten bis 30.8.2015
Ausstellung im Museum Franz Gertsch
Platanenstrasse 3
3400 Burgdorf
Schweiz
Telefon 0041 34 421 40 20
www.museum-franzgertsch.ch