Masayo Odahashi

Japan

Masayo Odahashi ist 1975 in Mie geboren. Die Präfektur Mie liegt im Zentrum der japanischen Inselkette, auf der Pazifikseite, zwischen Osaka und Kioto im Südwesten und Nagoya im Nordosten. Masayo Odahashi fasziniert die Menschen mit der Ausdrucksweise ihrer Skulpturen. Sie wirken meditativ, nach innen gekehrt und strahlen große Ruhe und Kraft aus.

Oft sitzen sich Paare gegenüber, in schmalen, kleinen Booten oder auf Sockeln. Für Masayo Odahashi ist es jedoch immer eine Person im Spiegelbild, zwei Seiten des Lebens, zwei Seiten einer Persönlichkeit. Ihre Kunstwerke sind Kommunikation ohne Worte. „Ich finde oft viele verschiedene Inspirationsquellen im Alltag und sammle sie in meinem Gedächtnis. Das können Farben oder Formen sein, alte Sachen oder Erfahrungen, Erinnerungen, die wir alle teilen, die aber nicht immer bewusst wahrgenommen werden. Dies alles steht am Beginn meiner künstlerischen Ausdrucksweise. Ich wähle davon Einiges aus und kombiniere es, bevor ich daraus schließlich ein Kunstwerk kreiere. Für mich ist das eine Art und Weise meine Lebenseinstellung zu teilen. Meine Objekte aus Glas sind eine Möglichkeit ohne Worte und darüber hinaus miteinander zu kommunizieren,“ sagt Odahashi.

Vorwiegend in einem Studio in Kanazawa entstehen ihre faszinierenden Pate-de-Verre Arbeiten, die Menschen aus aller Welt von unterschiedlichen Kulturen begeistern. Mädchen, nachdenklich und fast meditierend, junge Frauen mit hochgestecktem Haar oder seitlich gewelltem, flügelgleichem Haarpracht, die teilweise wie Engel aussehen. Und dann die Dualität: das Mädchen und der Hase gegenüber in einem Boot, der Mann und der Hase. Sie erzählt vom Märchen mit dem weißen Hasen und von den Fahrten mit ihren Eltern zum Ise-Schrein, dem höchsten japanischen Heiligtum, zu dem jährlich etwa sechs Millionen Menschen pilgern.

Diese junge Künstlerin hat ihre Handschrift gefunden. Ihr großes Thema ist Balance und der Weg ins Innere eines jeden Menschen. Das Innere hat immer Priorität, es geht darum, zur Ruhe und zu sich selbst zu kommen. In ihrem Heimatland wird viel meditiert, für Odahashi könnte man daher die Meditation durchaus als Leitfaden ihrer künstlerischen Arbeit sehen. Zu Beginn hat diese außergewöhnliche Künstlerin überwiegend mit Klarglas gearbeitet, das sie nachträglich bemalt oder emailliert. Die jüngeren Objekte sind farbiger, hier verwendet sie auch schon farbiges Glas, zum Beispiel für die Haarkränze. Kleid und Frisur haben ebenfalls eine besondere Bedeutung: streng, schlicht und an den Körper geschmiegt, führen auch sie die Energien nach innen. Wie bei dem Mädchen auf dem Sockel, das einen ganz feinen, geschlossenen Reifen in der Hand hält. Der Titel dieser neuen Arbeit: „Entrance to the inner world“ bestätigt erneut die Beschäftigung mit den inneren Werten, die unser Wesen ausmachen.

Dagmar Brendstrup, die Direktorin des  Glasmuseums Ebeltoft sagt über Odahshis Werk: „Diese meditativen kleinen Skulpturen machen großen Eindruck auf alle, die sie sehen. Sie erzeugen eine intensive Nähe und laden den Betrachter zum Reflektieren ein.“ Masayo Odahashi ist mit zahlreichen Preisen geehrt worden, unter anderem mit dem Internationalen Glaspreis von Kanazawa. Die Faszination der alten Materie Glas ist in Sinzheim/Baden-Baden in den abstrakten und figurativen Arbeiten neu zu entdecken: transparent wie Nichts oder lichtundurchlässig, glänzend wie poliertes Silber oder rau wie Sandstein: Geheimnisvoll schimmernde, vielfältige Kunst, die einen nicht so schnell wieder loslässt.